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"Hindernisse geschmeidig überwinden"

Marco Weimar ist Parkourläufer und unternimmt waghalsige Touren über Häuser und Mauern. Die ganze Stadt wird so zum Spielplatz.


Von Lukas Löw (Ein Auszug aus der"Heilbronner Stimme" Tageszeitung, Link in der Fußzeile)

Erscheinungsdatum: 22. Juli 2015, 07:57 Uhr Lesedauer: 2 Minuten



Seinen waghalsigen Handstand auf einer Mauer auf dem Heilbronner Wartberg hat Parkourläufer Marco Weimar mit dem Selbstauslöser fotografisch festgehalten. Foto: Marco Weimar


Parkour ist mehr als eine Sportart. Für den Heilbronner Marco Weimar ist es ein Lebensgefühl. "Die Stadt verwandelt sich zu einem Spielplatz voller Möglichkeiten, der erkundet werden will", schwärmt er.

Ziel sei, möglichst effizient und geradlinig von einem Punkt A zum Punkt B zu kommen. Der Parkourläufer, auch Traceur genannt, versucht laut Weimar alle im Wege stehenden Hindernisse geschmeidig zu überwinden und mit in seinen Lauf einzubauen.


Neuer Blick auf die Stadt


So wird auf Mauern geklettert, über Geländer gesprungen und an Dächern entlang gehangelt. "Mit der Zeit entwickelt man einen neuen Blick auf die Stadt, Gebäude und Straßen. Ich glaube, der Reiz besteht darin, bekannte Wege ganz neu zu erleben", berichtet der 20-jährige Heilbronner, der sich als Fotograf selbstständig gemacht hat.


Konkurrenzdenken und Leistungsdruck gebe es unter den sogenannten Traceuren nicht. "Keiner fordert waghalsige Sprünge oder Saltos von anderen. Jeder baut nur das in seinen Lauf ein, womit er sich sicher fühlt," sagt Weimar.


Auch nach Jahren des Trainings sei es wichtig, darauf zu achten, was der eigene Körper kann. "Gerade bei Sprüngen über weite Distanzen oder große Höhen muss man sicher sein, dass man fortgeschritten genug ist", sagt er aus Erfahrung − und streicht sich über die ziemlich verschrammten Knie. Schlimmere Verletzungen hat er sich noch keine zugezogen. Aber: "Wenn sich Leute überschätzen, kann’s natürlich gefährlich sein."



Kein Vandalismus

So hätten sich manche bei den Stunts schon Arme oder Beine gebrochen. Und Schrammen an Hindernissen? Von Vandalismusvorwürfen distanziert sich der Parkourläufer. Respekt und Toleranz gegenüber Natur und Umwelt stünden ganz oben. "Beim Training achten wir stets darauf, nichts zu beschädigen und niemanden zu gefährden."


Der Franzose David Belle gilt als Gründer des Parkour. Seine Geschichte ist in der Szene längst zur Legende geworden. Zusammen mit seinem Vater, der als Soldat im Vietnamkrieg diente, hat er als Kind die "Methode naturelle" gelehrt bekommen. Ziel dieses militärischen Trainingsprogramms ist, in einer Situation der Gewalt sich selber und anderen helfen zu können.


Die Sportler trainieren ihren Körper in Disziplinen, die in der Natur ausgeübt werden können und in Krisensituationen wichtig sind. Dazu zählen; Rennen, Schwimmen, Tragen, Springen, Robben, Klettern und weitere Fortbewegungsmethoden.



Parkour kommt aus Paris


Ende der 1980er Jahre begann David Belle die urbane Betonlandschaft des Pariser Vororts Lisses als seinen Übungsplatz zu nutzen. Aus den spielerischen Verfolgungsjagden mit anderen Kindern über Geländer, Zäune, Treppen und Dächer entstand im Laufe der Zeit Parkour.

Durch Filmaufnahmen David Belles im Kino und auf Internetplattformen erfuhr die Sportart Parkour anfangs der 2000er Jahre einen regelrechten Boom. Kommerz und Selbstdarstellung widersprachen jedoch der Grundidee des Parkour, sagt Weimar. "Es geht einfach nicht darum, Applaus und Aufmerksamkeit zu ernten, sondern sich selbst zu probieren und die Grenzen des eigenen Körpers zu testen."

Auch der Gründer David Belle sieht Parkour "nicht nur als Sportart, sondern vielmehr als kreative Kunst, die dabei hilft, die eigenen durch Körper und Umwelt gesetzten Grenzen zu erkennen und zu überwinden." In vielen Städten finden sich Sportler zusammen und probieren sich an Parkour. Auch in Heilbronn, allerdings nicht im Verein, vielmehr erobern einige Gruppen am Wochenende die Stadt. Problem mit der Polizei hat Weimar nach eigenen Angaben noch nicht bekommen.


Dies ist eine Kopie des Artikel "Hindernisse geschmeidig überwinden" original erschienen in der Tageszeitung "Heilbronner Stimme"

Text: Lukas Löw Bilder: Marco Weimar



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